Pressemitteilung vom 29.05.2009

Aktionärsbrief zum Geschäftsbericht 2008

Sehr geehrte Mitaktionäre, liebe Leser,

im abgelaufenen Jahr wurde das weltweite Finanzsystem in einem nicht vorhersehbaren Maße erschüttert. Auch die GFKL-Gruppe blieb aufgrund der Refinanzierung ihrer Leasingaktivitäten am Geld- und Kapitalmarkt nicht unberührt von den Umwälzungen auf den Finanzmärkten.

 

Die weltweite Refinanzierungssituation hat sich derart verschlechtert, dass GFKL im Leasinggeschäft in Zukunft nicht mehr mit risikoadäquaten Renditen rechnen kann. Dies gilt umso mehr, als die steigenden Kreditrisiken und die sinkenden Restwerte die Schere zwischen notwendigen und erzielbaren Erträgen weiter öffnen.

Der Vorstand reagierte auf diese Rahmenbedingungen im engen Schulterschluss mit dem Aufsichtsrat mit einer tiefgreifenden Anpassung des Geschäftsmodells. Diese zielt darauf ab, sich auf die wachstumsstarken Geschäftsbereiche Forderungsmanagement (Inkasso und Factoring) und Software zu konzentrieren, welche insgesamt niedrigere Refinanzierungsanforderungen stellen und das Risikoprofil der Gruppe reduzieren.  

So brachte das Geschäftsjahr 2008 gravierende Änderungen für das Geschäftsmodell von GFKL mit sich und war leider das erste Verlustjahr in der gesamten 17-jährigen GFKL-Historie.

Um den Geschäftserfolg von GFKL nicht über einen längeren Zeitraum zu belasten, wurden die folgenden Umstrukturierungsmaßnahmen konsequent und zeitnah in einem sehr engen Zeitraum umgesetzt:

•    Trennung vom gesamten Leasinggeschäft und
•    Fokussierung auf die beiden wachstums- und margenstarken Geschäftsbereiche Forderungsmanagement und Software sowie
•    Reduzierung des Risikoprofils der GFKL-Gruppe.
 

Ein Großteil der Veräußerungen im Leasingbereich wurde bereits im Geschäftsjahr 2008 umgesetzt, so etwa der Verkauf der defizitären Leasingaktivitäten in Spanien und die Veräußerung des Leasinggeschäftes in England im Rahmen eines Management-Buy-outs. Das niederländische Leasinggeschäft wurde eingestellt, die Portfolios werden über die nächsten Jahre abgewickelt. Das Systemgeschäft wurde ebenso noch im abgelaufenen Geschäftsjahr verkauft. Das deutsche Leasingportfolio wird über die kommenden Jahre abgearbeitet, Neugeschäft wird nicht mehr generiert. Für einen Teil der deutschen Leasingaktivitäten (Region Süd) konnte im Mai 2009 ein Veräußerungsvertrag unterzeichnet werden. Die Leasingaktivitäten in den Regionen Nord, Ost und West wurden bis zum Ende des Jahres 2008 eingestellt.

Das Ergebnis dieser Umstrukturierung ist eine Vereinfachung des GFKL-Geschäftsmodells und eine Reduzierung des Risikoprofils. Allein im letzten Quartal des Jahres 2008 konnten wir unsere Bilanzsumme um rund 550 Mio. € reduzieren. Die Verringerung von über 40% basiert im Wesentlichen auf der Restrukturierung, d.h. den Abbau von Risikoaktiva bzw. die Veräußerung von Tochtergesellschaften bis zum Bilanzstichtag.

Das Unternehmen konzentriert sich zukünftig auf seine margen- und wachstumsstarken Geschäftsbereiche Forderungsmanagement und Software.
 

Was uns im Kreditbereich widerfahren ist, ist kein GFKL-spezifisches Problem. So fordern Banken, unsere Hauptkunden im Inkassobereich, derzeit auch verstärkt unsere Dienstleistungen im Forderungsmanagement an. Die Vorteile für unsere Kunden bei einer Zusammenarbeit mit GFKL liegen klar auf der Hand: Bereinigung der Bankbilanz um notleidende Kredite und somit Nutzung des frei werdenden Eigenkapitals für Neugeschäft sowie Zeit- und Kostenersparnisse – auch im personellen Bereich.

Darüber hinaus wird GFKL durch den Rückzug aus dem Leasinggeschäft in den kommenden Jahren ein signifikanter Anteil an Barmitteln durch die Freisetzung von gebundenem Kapital zufließen. Das wird GFKL in die Lage versetzen, weitere Marktanteile im margenstarken Inkassomarkt zu gewinnen und die Verschuldung zu reduzieren.
 

Im Berichtsjahr entwickelten sich der Umsatz und das Vorsteuerergebnis in den Geschäftsbereichen Forderungsmanagement und Software wie folgt:

Umsatz für den Berichtszeitraum im Einzelnen:
in T€                                     Q1-Q4 2008        Q1-Q4 2007    +/-
Forderungsmanagement            143.815              115.553     24%
Software                                      36.904                 30.944    19%

Ergebnis vor Steuern für den Berichtszeitraum im Einzelnen:
in T€                                    Q1-Q4 2008        Q1-Q4 2007    +/-
Forderungsmanagement             24.798                26.670    -7%
Software                                        5.834                  5.819     0%

Die negative Entwicklung des Vorsteuerergebnisses von -7% im Bereich Forderungsmanagement ist zum einen auf den Rückgang der Ergebnisse in den ausländischen Inkassotöchtern um 76% auf 2,0 Mio. € (Vj. 8,3 Mio. €) zurückzuführen, welcher im Wesentlichen durch den Ergebnisrückgang des  portugiesischen Tochterunternehmens Domusvenda Holding von rund 3,0 Mio. € bedingt ist. Zum anderen wurden sehr große Mandate im Inkassobereich akquiriert, die reguläre Vorlaufkosten nach sich ziehen. Wichtig für die zukünftige Entwicklung war die Gewinnung von sehr großen neuen Aufträgen. Diese sichern GFKL dauerhafte Gebühreneinnahmen und werden nach einer recht kostenintensiven Übergabephase von ca. einem Jahr auch zu erheblichen Ertragszuwächsen führen.

GFKL beabsichtigt, sich von seiner 50%-Beteiligung an der Domusvenda Holding SGPS S.A. zu trennen. Ausschlaggebend für diesen Entschluss waren unterschiedliche Auffassungen im Management über Informationspflichten sowie Unstimmigkeiten über den Verkauf zweier von GFKL finanzierter Portfolios. Im Rahmen der Trennung von Domusvenda kam es im Jahresabschluss zu einer Forderungsabschreibung in Höhe von 7,0 Mio. €.

Trotz der Investitionen in die neuen Mandate verzeichnete GFKL 2008 zweistellige Umsatzrenditen in den Kerngeschäftsfeldern Forderungsmanagement und Software von 17,2% bzw. 15,8%.
 

Insgesamt entwickelten sich die wesentlichen Kennzahlen der GFKL-Gruppe wie folgt:

in T€                                              Q1-Q4 2008        Q1-Q4 2007       +/-
Umsatz                                                847.941              831.806       +2%
Vorsteuerergebnis (EBT)                      -15.624                32.915       >-100%

Ergebnis aus fortzuführenden
Geschäftsbereichen                              -25,751                18.414       >-100%    

Ergebnis aus aufgegebenen
Geschäftsbereichen                              -39.915                - 1.047       >-100%

Zusammenführung der
beiden Ergebnisse
zum Konzernergebnis                           -65.665                17.366       >-100%

Eigenkapital (ohne Minderheiten)          87.569               161.963       -46%
Bilanzsumme                                        790.028            1.277.237       -38%


Der Umsatz der GFKL-Gruppe im Berichtszeitraum belief sich auf  847,9 Mio. € und bewegte sich auf Vorjahresniveau (Vj. 831,8 Mio. €). Das Ergebnis vor Steuern (EBT) verringerte sich auf -15,6 Mio. € (Vj. 32,9 Mio. €).

Der Rückgang des Vorsteuerergebnisses ist im Wesentlichen auf Sondereffekte in Höhe von insgesamt  -40,2 Mio. € (Vj. 1,4 Mio. €) zurückzuführen. Diese sind in folgenden Geschäftsbereichen angefallen:

Holding / Konsolidierung                      -17,2 Mio. €
Geschäftsbereich Kredit (Leasing)       -23,6 Mio. €
Geschäftsbereich Software                     0,6 Mio. €

Die Aufwendungen aus Restrukturierung umfassen im Wesentlichen Personalaufwendungen für erwartete Abfindungen sowie Aufwendungen für Fahrzeuge und Mietaufwendungen. Der Aufwand aus Restrukturierung im Jahr 2008 beträgt 7,7 Mio. €. Diese teilen sich mit 6,6 Mio. € auf den Kreditbereich und mit 1,1 Mio. € auf die Holding auf.

Die Sondereffekte, welche in der Holding in Höhe von 17,2 Mio. € angefallen sind,  betreffen im Wesentlichen die Abschreibung einer Darlehensforderung gegen Domusvenda in Höhe von 7,0 Mio. € und Steuernachzahlungen aus vergangenen Perioden im Rahmen einer Betriebsprüfung in Höhe von 6,2 Mio. €. Darüber hinaus wurden Darlehensforderungen in Höhe von 1,6 Mio. € gegenüber dem Management der Universal Leasing Ltd. abgeschrieben und Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 1,1 Mio. € gebucht.

Die Sondereffekte von 23,6 Mio. € im Geschäftsbereiche Kredit (Leasing) betreffen im Wesentlichen Goodwill-Abschreibungen von in Abwicklung befindlichen Tochtergesellschaften in Höhe von 10,3 Mio. €, einen Verlust aus einem Betrugsfall einer deutschen Speditionsfirma mit geleasten LKW in Höhe von 4,3 Mio. €, sonstige Steuern im Rahmen einer Betriebsprüfung in Höhe von 1,4 Mio. € sowie Restrukturierungskosten in Höhe von 6,6 Mio. €.

Bereinigt um diese Einmaleffekte belief sich das Vorsteuerergebnis auf 24,6 Mio. € (Vj. 31,5 Mio. €).

Das Konzernergebnis (Ergebnis nach Steuern) weist im Berichtszeitraum einen Fehlbetrag in Höhe von -65,7 Mio. € (Vj. 17,4 Mio. €) aus. Dieses Ergebnis teilt sich wie folgt auf:
- Ergebnis aus fortzuführenden Geschäftsbereichen in Höhe von -25,8 Mio. € (Vj. 18,4 Mio. €) und
- Ergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen in Höhe von  -39,9 Mio. € (Vj. -1,0 Mio. €).

Das Ergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen (-39,9 Mio. €) setzt sich wiederum zusammen aus dem laufenden Verlust aus operativem Geschäft der bereits verkauften Tochterunternehmen in Höhe von -11,1 Mio. € sowie aus dem Abgangsverlust dieser Beteiligungen in Höhe von -28,8 Mio. €.

Erfreulich zeigte sich die unverändert hohe Nachfrage nach professionellen Inkassodienstleistungen im Geschäftsjahr 2008. GFKL konnte das schwierige Jahr 2008 immerhin als drittgrößter Inkassoanbieter im deutschen Markt abschließen. Im April 2009 gelang GFKL der größte Abschluss in seiner Historie: die Übernahme von 640.000 titulierten Versandhandelsforderungen. Mit dieser Transaktion verbucht GFKL einen weiteren Erfolg im Inkassobereich. Mit der Akquisition dieses Großauftrags ist GFKL – nach eigener Markteinschätzung – zum nunmehr zweitgrößten Inkassodienstleister in Deutschland aufgestiegen.

Im Geschäftsjahr 2008 hat GFKL das betreute Forderungsvolumen um 26% auf rund 20,8 Mrd. € (Vj. 16,5 Mrd. €) erhöht. Das Volumen der in Bearbeitung genommenen notleidenden Kredite (Banking-Segment) belief sich zum Stichtag des Berichtszeitraums auf 19,2 Mrd. € (Vj. 15,0 Mrd. €). Die GFKL-Gruppe betreute im Inkassosegment Non-Banking zum Bilanzstichtag ein Forderungsvolumen in Höhe von 1,7 Mrd. € (Vj. 1,4 Mrd. €). Mit einer Übernahme in Italien konnte GFKL zudem seine strategische Wettbewerbsposition im Ausland weiter ausbauen.

Das auf den Einzug kleinteiliger Forderungen des Mengengeschäftes spezialisierte Tochterunternehmen Sirius Inkasso GmbH unterzeichnete im Verlauf des letzten Jahres einen Vertrag mit einem großen namhaften Versicherer, welcher seine gesamten rückständigen Versicherungsprämien in Deutschland aus dem Sachversicherungsgeschäft von Sirius Inkasso betreuen lässt. Ebenfalls konnte ein großer Rechtsschutzversicherer als Kunde gewonnen werden. Gleichzeitig übernahm das Unternehmen von diesem Rechtsschutzversicherer einen Bestand von ca. 60.000 titulierten Prämienforderungen in die Bearbeitung. Sirius Inkasso zählt nunmehr 22 Versicherer zu seinen Kunden und ist damit Marktführer in Deutschland im Versicherungssektor.

Der Geschäftsbereich Software ist der zweite wachstumsstarke Pfeiler im GFKL-Geschäftsmodell. Das Produktspektrum in diesem Geschäftsfeld umfasst Softwareanwendungen für das Kredit- und Forderungsmanagement von Banken, Sparkassen, Industrie und öffentlichem Sektor sowie Produkte für die Unterstützung aller wesentlichen Vertriebs- und Verwaltungsprozesse in Versicherungsunternehmen.

Im Geschäftsjahr 2008 konnte GFKL den Umsatz im Bereich Software um 19% auf 36,9 Mio. € steigern. Das Vorsteuerergebnis in Höhe von 5,8 Mio. € blieb stabil auf dem Niveau des Vorjahres (5,8 Mio. €).

2008 gelang dem Tochterunternehmen ABIT AG, der Spezialistin für Kredit- und Forderungsmanagement, der Abschluss eines Vertrages mit einer großen deutschen Landesbausparkasse über die Zusammenarbeit im Bereich der Kreditabwicklung. Kern der Vereinbarung ist die Nutzung der modernen Produktplattform ABIT Banknology©.

Das Software- und Beratungsunternehmen GENEVA-ID akquirierte im vergangenen Geschäftsjahr einen großen Auftrag für seinen Bereich Informationssysteme. Der Abschluss bietet die Chance, die entstehende IT-Plattform als System später im Markt auf eigene Rechnung zu vertreiben.

Das Jahr 2008 war ein ausgesprochen schwieriges Jahr für GFKL mit maßgeblichen Änderungen in seinem Geschäftsmodell. Für das Jahr 2009 sehen wir GFKL aber wieder auf einem sehr guten Weg.

GFKL verfolgt unter Ausnutzung des bestehenden "Genehmigten Kapitals" drei unterschiedliche Alternativen der Durchführung einer Kapitalmaßnahme. Prioritär ist GFKL bestrebt, durch Hereinnahme von Private Equity Investoren der Gesellschaft neues Kapital von außerhalb des bestehenden Gesellschafterkreises zuzuführen. Parallel hierzu befindet sich insbesondere eine Auswahl von bestehenden GFKL Aktionären in fortgeschrittenen Gesprächen über die Umplatzierung eines signifikanten Teils von GFKL Aktien an einen strategischen Investor. Auch bei dieser Struktur ist eine Kapitalerhöhung von etwa 8 Mio. neuen Aktien und einem Zufluss von 40 Mio. € vorgesehen. Sollten beide vorgenannten Alternativen in den kommenden Monaten nicht zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden können, so beabsichtigt die Gesellschaft die volle Platzierung der Aktien aus der Kapitalerhöhung im Rahmen des derzeit bestehenden Aktionärskreises, so dass GFKL von einer finalen Durchführung der Kapitalerhöhung bis spätestens Ende dieses Jahres ausgeht.

Aus Sicht der Gesellschaft kann mit ausreichend sicherer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass bei weiterer konsequenter Durchführung der Restrukturierung, der Thesaurierung des vom Unternehmen für das Geschäftsjahr 2009 geplanten Gewinns sowie der erfolgreichen Durchführung der Kapitalerhöhung mittels einem der drei beschriebenen Durchführungswege, weitere Anschlussfinanzierungen - soweit notwendig - zu wettbewerbsfähiger Konditionierung realisiert werden können.
 

Operativ strebt GFKL die Marktführerschaft im Inkassobereich in Deutschland an, den ersten großen Schritt haben wir im April dieses Jahres mit der größten NPL-Transaktion in der GFKL-Historie bereits getan.

GFKL erwartet 2009 eine stabile zweistellige Umsatzrendite in seinen Kerngeschäftsbereichen und ein Konzernergebnis vor Steuern von rund 25 Mio. €. Mit einem Gewinn vor Steuern von rund 8,4 Mio. € per Ende April 2009 liegen wir nach Ablauf von vier Monaten klar auf Kurs.


Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch