Pressemitteilung vom 04.11.2009
Aktionärsbrief zum ersten Halbjahr 2009
Sehr geehrte Mitaktionäre, liebe Leser,
nach strategischer Neuausrichtung ist die GFKL Financial Services AG jetzt auch hinsichtlich der Investorensuche einen wichtigen Schritt vorangekommen: Advent International, eine der weltweit führenden Beteiligungsgesellschaften, hat Vereinbarungen zur Übernahme an GFKL-Anteilen unterzeichnet.
Advent wird von den bisherigen Hauptgesellschaftern, zu denen Goldman Sachs, Royal Bank of Scotland, WestLB und die ERGO Versicherungsgruppe zählen, einen Anteil von etwa 80% des Grundkapitals der GFKL übernehmen. Darüber hinaus wird sich der zukünftige Gesellschafter Advent an einer geplanten Kapitalerhöhung beteiligen, wodurch unsere Eigenkapitalbasis gestärkt und Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen werden.
Advent verfügt über langjährige und umfangreiche Erfahrung im Bereich Forderungsmanagement und wird das GFKL-Geschäftsmodell mit seinen wachstumsstarken Geschäftsbereichen Inkasso und Software maßgeblich unterstützen. Ebenso wird die Gesellschaft sowohl unser organisches Wachstum fördern als auch passende Akquisitionen unterstützen.
Mit dieser Transaktion werden GFKL auch liquide Mittel für weiteres Wachstum in den Geschäftsbereichen Inkasso und Software zur Verfügung gestellt. GFKL ist in Deutschland bereits zweitgrößter Inkassodienstleister und wird seine Marktführerschaft zukünftig verstärkt ausbauen.
Die Transaktion ist an Vollzugsbedingungen geknüpft, darunter die Genehmigung der Aufsichts- und Kartellbehörden, und wir gehen davon aus, dass diese voraussichtlich bis Ende des Jahres erfüllt sein werden.
Zum Geschäftsverlauf:
Das erste Halbjahr war sehr stark durch Einmaleffekte bestimmt.
Das ausgewiesene Ergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr 2009 lag bei -45,8 Mio. € (Vj. 9,8 Mio. €) und ist durch Sondereffekte in Höhe von -57,2 Mio. €, welche sich im Wesentlichen aus Wertberichtigungen zusammensetzen, beeinflusst. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern in den fortgeführten Geschäftsbereichen beträgt 11,3 Mio. €.
Die Einmaleffekte in Höhe von -57,2 Mio. € setzen sich im Wesentlichen wie folgt zusammen:
In dem sich in Abwicklung befindlichen deutschen Leasingbereich wurden zusätzliche Wertberichtigungen in Höhe von 24,7 Mio. € gebildet; diese waren notwendig geworden durch ein sich weiter verschlechterndes wirtschaftliches Marktumfeld und durch den Wegfall von Großkunden.
Ein notwendiger Abwertungsbedarf in Höhe von 2,3 Mio. € ergab sich ebenfalls im englischen Leasingportfolio. Ein zusätzlicher Bedarf an Wertberichtigungen war darüber hinaus notwendig für das Kaufpreisdarlehen gegenüber dem Management der Universal Leasing Ltd. (ULL) sowie für die an die ULL gewährten Darlehen und betrug insgesamt 27,5 Mio. €.
Der Umsatz und das Vorsteuerergebnis der Geschäftsbereiche Forderungsmanagement und Software entwickelten sich im ersten Halbjahr 2009 wie folgt:
Umsatz für das 1. Halbjahr im Einzeln
in T€ Q1-Q2 2009 Q1-Q2 2008 +/-
Forderungsmanagement 81.903 69.218 +18%
Software 18.591 17.714 +5%
Ergebnis vor Steuern für das 1. Halbjahr im Einzelnen:
in T€ Q1-Q2 2009 Q1-Q2 2008 +/-
Forderungsmanagement 14.338 16.250 -12%
Software 2.970 3.536 -16%
Die Entwicklung des Ergebnisses vor Steuern in den beiden Geschäftsbereichen im 2. Quartal zeigt sich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres wie folgt:
Ergebnis vor Steuern im 2. Quartal im Einzelnen:
in T€ Q2 2009 Q2 2008 +/-
Forderungsmanagement 9.814 9.701 +1%
Software 1.740 1.540 +13%
Die Umsatzrendite lag auch im 2. Quartal 2009 gewohnt im zweistelligen Bereich:
Q2 2009 Q2 2008
Forderungsmanagement 21,6% 26,3%
Software 17,8% 16,4%
Aufgrund des sich in Abwicklung befindlichen Leasingbereiches ist der Umsatz der gesamten GFKL-Gruppe im ersten Halbjahr 2009 um 58% von 461,6 Mio. € auf 191,8 Mio. € gesunken. Aufgrund der nahezu vollständigen Einstellung des Neugeschäftes verzeichnete der Bereich Leasing einen Umsatzrückgang von 76% auf 91,2 Mio. € (Vj. 374,6 Mio. €). GFKL wickelt die Leasingportfolios der ehemaligen deutschen und niederländischen Leasingaktivitäten über die nächsten Jahre ab.
Das bereits erwähnte Vorsteuerergebnis der GFKL-Gruppe reduzierte sich von 9,8 Mio. € auf -45,8 Mio. €. Dieser Rückgang ist ebenfalls maßgeblich auf die Abwicklung des Leasingbereiches zurückzuführen. Das Vorsteuerergebnis fiel im Leasingbereich von 4,4 Mio. € auf -26,3 Mio. €.
Wir können nach wie vor eine unverändert hohe Nachfrage nach professionellen Inkassodienstleistungen verzeichnen. Im April 2009 gelang GFKL die Übernahme von 640.000 titulierten Versandhandelsforderungen. Mit der Akquisition dieses Großauftrages ist GFKL zum nunmehr zweitgrößten Inkassodienstleister in Deutschland aufgestiegen.
Als erfahrene Dienstleister im Forderungsmanagement helfen wir den Unternehmen, Forderungen zu realisieren, um ihre Liquidität zu sichern und somit im Wettbewerb zu bestehen. GFKL konnte allein im Geschäftsjahr 2008 rund 600 Mio. € aus überfälligen Forderungen für seine Auftraggeber einziehen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres belief sich der Betrag auf rund 270 Mio. €.
Das betreute Forderungsvolumen stieg im ersten Halbjahr um 31% auf rund 23,0 Mrd. € (Vj. 17,6 Mrd. €). Das Volumen der in Bearbeitung genommenen notleidenden Kredite (Banking-Segment) belief sich zum Stichtag des Berichtszeitraums auf 20,3 Mrd. € (Vj. 15,9 Mrd. €). Die GFKL-Gruppe betreute im Inkassosegment Non-Banking zum Bilanzstichtag ein Forderungsvolumen in Höhe von 2,6 Mrd. € (Vj. 1,6 Mrd. €).
Nach dem Abschluss eines Vertrages mit einem namhaften Energieversorger im ersten Quartal des Jahres konnte das auf den Einzug kleinteiliger Forderungen des Mengengeschäftes spezialisierte Tochterunternehmen Sirius Inkasso GmbH im zweiten Quartal ein weiteres Mandat aus der Assekuranz hinzugewinnen. Die Tochtergesellschaft zählt nun neben Mandanten aus der Energieversorgungsbranche, dem Telekommunikationssektor und dem Versandhandel auch 23 Mandanten aus der Versicherungswirtschaft zu seinen Kunden. Die Anzahl der Forderungen im zweiten Quartal (1,4 Mio.) im Vergleich zum Vorjahr (0,7 Mio.) hat sich mehr als verdoppelt, im Vergleich zum ersten Quartal (1,1 Mio.) konnte eine Steigerung von 36% erzielt werden. Gleichzeitig wurde auch das Gesamtforderungsvolumen im zweiten Quartal (858,8 Mio. €) im Vergleich zum Vorjahr (312,7 Mio. €) um 175% gesteigert. Dies ist unter anderem auf die Akquisition eines Großauftrages in der Bearbeitung von titulierten Versandhandelsforderungen durch die GFKL zurückzuführen.
Der Geschäftsbereich Software ist der zweite Pfeiler im GFKL-Geschäftsmodell. Das Produktspektrum in diesem Geschäftsfeld umfasst Softwareanwendungen für das Kredit- und Forderungsmanagement von Banken, Sparkassen, Industrie und öffentlichem Sektor sowie Produkte für die Unterstützung aller wesentlichen Vertriebs- und Verwaltungsprozesse in Versicherungsunternehmen.
Die ABIT AG konnte im zweiten Quartal weitere Erfolge verzeichnen. So akquirierte die Spezialistin für Forderungsmanagement, die innovative und passgenaue Lösungen aus den Bereichen Consulting, Software und Services bietet, den 100sten Kunden für ihr Produkt ABIT Pfändung. Somit hat sich die Gesamtlösung ABIT Banknology, zu der das Produkt gehört, als eines der marktführenden Systeme etabliert. Im Bereich der Kreditprozessunterstützung konnte außerdem ein Großprojekt produktiv gesetzt werden, weiter wurde eine Softwarelösung für die Ermittlung Risikovorsorge nach IAS 39 bei einer Landesbank implementiert.
Darüber hinaus konnte die ABIT-Softwarelösung phinAMV erstmals in italienischer Sprache Ende Juni bei der italienischen Inkassotochter Locam erfolgreich eingeführt werden. Die ABIT-Software reduziert durch Automation den Arbeitsaufwand pro Forderungsfall deutlich und ermöglicht so die Realisierung höherer Deckungsbeiträge und Gewinne durch gesteigerte Beitreibungsquoten, geringere Kosten und eine höhere Produktivität.
GFKL blickt auf ein ereignisreiches erstes Halbjahr zurück. Wir haben sowohl operative Fortschritte erzielt als auch die Basis für den Ausbau und die Neupositionierung der GFKL gelegt. Als künftiger Hauptgesellschafter wird Advent International GFKL in der Weiterentwicklung unterstützen und dafür sowohl fundierte Branchenexpertise einbringen als auch das dafür notwendige Kapital für organisches und anorganisches Wachstum bereitstellen.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch
