Seite drucken

Aktionärsbrief zum ersten Halbjahr 2007



Liebe Mitgesellschafter, sehr geehrte Damen und Herren,

im ersten Halbjahr 2007 hat GFKL seinen profitablen Wachstumskurs fortgesetzt:

Konzernumsatz: 548,6 Millionen Euro (Vj. 452,8 Millionen Euro) = + 21 Prozent

Ergebnis vor Steuern: 16,8 Millionen Euro (Vj. 12,7 Millionen Euro) = + 32 Prozent




Das Ergebnis nach Steuern stieg gegenüber dem Vorjahr moderat um rund sieben Prozent von 10,7 Millionen Euro auf 11,5 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Veräußerung einer Tochtergesellschaft mit einem steuerlich zu vernachlässigendem Gewinn von 4,8 Millionen Euro die Steuerquote außerordentlich gesenkt. Bei einer von 131,1 Millionen Euro auf 160,6 Millionen Euro gestiegenen Eigenkapitalausstattung lag die gewichtete Eigenkapitalrendite zum 30. Juni 2007 bei 14,9 Prozent (Vj. 17,0 Prozent).

Insgesamt sind wir mit dem ersten Halbjahr sehr zufrieden, denn GFKL liegt weiterhin deutlich über Plan. Hauptträger der positiven Entwicklung waren die Geschäftsbereiche Kredit und Inkasso. Zusammen erlöste die GFKL-Gruppe mit den beiden Segmenten rund 85 Prozent ihres Umsatzes und rund 80 Prozent ihres Vorsteuergewinns.

Die Geschäftsentwicklung bestätigt unsere Strategie, auf eine sehr gute Positionierung in Einzelmärkten zu setzen und zugleich durch die Kombination unterschiedlicher Segmente Konzentrationsrisiken zu begrenzen. So profitieren wir von dem Wachstum unterschiedlicher Märkte, etwa im Leasinggeschäft von dem anhaltend freundlichen Investitionsklima und im Inkassomarkt von der steigenden Nachfrage nach professionellen Dienstleistungen.

Im Leasinggeschäft verzeichnet GFKL weiterhin ein deutliches Wachstum. So legte in Deutschland unser Leasingneugeschäft in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahr (223,0 Millionen Euro) um 11,8 Prozent auf 249,3 Millionen Euro zu. Auch in den Benelux-Staaten (+17,2 Prozent), England (+17,5 Prozent; inklusive der akquirierten Gesellschaften Admiral Leasing und Hanover Group) und Spanien (+24,7 Prozent) wuchs das Neugeschäft. Insgesamt nahm GFKL im ersten Halbjahr neue Vertragsabschlüsse im Volumen von 387,5 Millionen Euro in die Bücher (Vj. 322,8 Millionen Euro), ein Plus von 20 Prozent. Knapp zwei Drittel des Neugeschäfts entfielen auf den deutschen Markt, ein Drittel auf die ausländischen Aktivitäten.

Das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsbereich Kredit beläuft sich für das erste Halbjahr 2007 auf 7,1 Millionen Euro (Vj. 6,9 Millionen Euro). Die bei starkem Wachstum des Neugeschäfts nur leichte Verbesserung des Ergebnisses zeigt neben den wachstumsbedingten Expansionskosten den derzeitigen Margendruck in diesem Geschäftsfeld. Hiervon konnten wir uns nicht abkoppeln. Leasing ist und bleibt im aktuellen Marktumfeld ein Volumengeschäft. Wir werden deshalb konsequent den auf die europäischen Märkte ausgerichteten Wachstumsweg fortsetzen.

Die hohe Nachfrage nach professionellen Inkassodienstleistungen ist ungebrochen. Aktives Forderungsmanagement nimmt in vielen Unternehmen inzwischen einen hohen Stellenwert ein. Dies gilt insbesondere für den Finanzdienstleistungssektor, in dem GFKL als Inkassospezialist für Banken und Versicherungen sehr gut positioniert ist.

So haben wir im ersten Halbjahr 2007 als Dienstleister das Mandat mit einer deutschen Großbank zur laufenden Betreuung gekündigter Kreditverträge verlängert und eine Reihe neuer NPL-Portfolios in die Bearbeitung bekommen. GFKL verwaltet zum 30.06.2007 rund 1,7 Millionen Forderungen mit einem Gesamtportfoliovolumen von annähernd 10 Milliarden Euro. Ein weiteres Beispiel: Unsere Tochtergesellschaft Inkasso Becker übernahm von einem namhaften Versandhaus ein Portfolio aus 25.000 Forderungen im Gesamtforderungsvolumen von rund 7,5 Millionen Euro. Der Gesamtbestand wird seit der Übernahme Ende März in Tranchen bearbeitet, seitdem konnten bereits rund 40 Prozent des Kaufpreises realisiert werden.

Mit der Übernahme der Multigestion Iberia im April haben wir den spanischen NPL-Markt für uns erschlossen. Das Unternehmen wurde im gleichen Jahr wie GFKL gegründet und ist als Inkassospezialist für Banken der Marktführer in Spanien. Kernkompetenzen sind die Verwaltung und der Einzug von notleidenden Kreditforderungen im Auftrag Dritter sowie der Kauf von Portfolios. Von den 250 Mitarbeitern der Multigestion sind 100 in Dependancen in Portugal und Argentinien beschäftigt.

Den Umsatz im Bereich Inkasso konnte GFKL mit einem Wert von 50,2 Millionen Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres (19,2 Millionen Euro) mehr als verdoppeln. Wir haben damit bereits rund 85 Prozent des Vorjahresumsatzes in den Büchern. Das Ergebnis vor Steuern im Inkassogeschäft zeigte einen signifikanten Anstieg auf 11,9 Millionen Euro (Vj. 3,9 Millionen Euro) in den ersten sechs Monaten und hat sich damit sogar mehr als verdreifacht.

In den Geschäftsbereichen Software und Systeme, die die technologieseitige Abrundung unseres Geschäftsmodells bilden, stellte sich der Geschäftsverlauf uneinheitlich dar. Der Umsatz im Softwaregeschäft verbesserte sich einschließlich eines Akquisitionseffektes um 8,5 Prozent von 11,7 Millionen Euro auf 12,7 Millionen Euro, der Bereich Systeme legte von 63,3 Millionen Euro auf 68,2 Millionen Euro zu. Während wir dabei im Softwaregeschäft das Ergebnis vor Steuern von 0,8 Millionen Euro auf 3,7 Millionen Euro mehr als vervierfachen konnten, verzeichneten wir im Systemgeschäft einen Ergebnisrückgang vor Steuern um 39,1 Prozent von 2,3 Millionen Euro auf 1,4 Millionen Euro. Ein positiver Sondereffekt im ersten Halbjahr des Vorjahres aus einer Sonderzahlung an unser Tochterunternehmen ist im Wesentlichen ausschlaggebend für diesen Basiseffekt. Die derzeitige Geschäftsentwicklung im Bereich Systeme stimmt uns zuversichtlich, da wir durch das Jahresendgeschäft traditionell ein stärkeres zweites Halbjahr erwarten.
Zu Beginn des Jahres haben wir mit dem Erwerb der ID Innovative Datenverarbeitung GmbH aus Kevelaer unseren Softwarebereich verstärkt. ID entwickelt und vertreibt Softwarekomponenten für Finanzdienstleister, insbesondere für die Versicherungswirtschaft.
Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen: Vor kurzem ist ID von IBM zum Premium Business Partner ernannt worden. In Europa gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die dieses Gütesiegel tragen. Die bestehende Kooperation mit IBM ist damit aufgewertet worden; ein nicht zu unterschätzender Vorteil, der sich unserer Einschätzung nach in zusätzlichen Aufträgen auszahlen wird. Schon heute betreut ID Kunden in 16 Ländern.

Nach dem insgesamt erfolgreichen Verlauf im ersten Halbjahr sind wir zuversichtlich und motiviert in die zweite Jahreshälfte gestartet.

Auch wenn wir ein Finanzdienstleistungsunternehmen sind, berührt uns dabei die aus den Vereinigten Staaten über den Atlantik schwappende Krisenwelle um zweitklassige Immobilienkredite kaum. Unsere Refinanzierung ist solide strukturiert, im Inkassogeschäft für Banken (Gebührengeschäft) bietet uns die aktuelle Situation weitere Wachstumsmöglichkeiten, und im NPL-Geschäft kaufen wir ohnehin nur direkt Kredite und keine Verbriefungsprodukte. Insgesamt haben sich unsere Refinanzierungsmöglichkeiten durch die aktuelle Kapitalmarktsituation geringfügig verteuert. Signifikante Ergebnisauswirkungen erwarten wir hieraus jedoch nicht.

Insofern sehen wir die aktuelle Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für die kurz- und mittelfristige Gewinnentwicklung von GFKL ist die aktuelle Situation insgesamt eher positiv als negativ zu bewerten. Gerade in turbulenten Zeiten greifen Banken und Versicherungen vermehrt auf Spezialisten im Forderungsmanagement wie GFKL zurück.

Die GFKL ist weiter auf Wachstumskurs. Dabei bereiten wir uns auf den Börsengang vor. Das gibt uns die Flexibilität, bei einem attraktiven Kapitalmarktumfeld die Chance für den Schritt aufs Parkett zu nutzen.


Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch

Zu meinem Geschäftsbericht hinzufügen