GFKL Financial Services AG - Brief an die Aktionäre

Essen, Mai 2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

im letzten Aktionärsbrief habe ich bereits darüber berichtet, dass mit dem Erwerb der SchmidtBank Leasing GmbH zum 1. Oktober 2002 eine weitere, bedeutende deutsche Leasinggesellschaft in die GFKL Gruppe aufgenommen wurde. Im Dezember 2002 wurde die SchmidtBank Leasing GmbH in SBL Mobilien GmbH umfirmiert. In den vergangenen Monaten war die rückwirkend erforderliche Aufstellung von IAS Einzelabschlüssen für die Universal-Leasing-GmbH und die SBL Mobilien GmbH zwecks Konsolidierung in den IAS Konzernabschluss eine besondere Herausforderung.

Die Umstellung des Rechnungswesens der Universal-Leasing-GmbH konnte unproblematisch abgeschlossen werden. Bei der SBL Mobilien GmbH wurde im Rahmen der Umstellung festgestellt, dass der Vorjahresabschluss zum 30. September 2001 nicht ordnungsgemäß aufgestellt war. Dieser musste aufgrund der daraus folgenden Nichtigkeit zwingend neu aufgestellt werden. Dies hat zu erheblichen Verzögerungen geführt, insbesondere da das Geschäftsjahr 2001 in weiten Teilen manuell nachvollzogen werden musste.

Der nichtige Jahresabschluss 2001 der SBL Mobilien GmbH ist für den IAS Konzernabschluss der GFKL Gruppe zum 31. Dezember 2002 unter anderem wegen der fehlenden Eröffnungsbilanzwerte ein Prüfungshemmnis. Aufgrund dessen stand zur Wahl, entweder bereits Anfang April den IAS Konzernabschluss formal eingeschränkt testieren zu lassen oder mit dem Testat bis zur Ausräumung des Prüfungshemmnisses (Aufstellung und Nachtragsprüfung des alten Jahresabschlusses der SBL Mobilien GmbH) zu warten.

Wegen der erheblichen negativen Wirkung eines eingeschränkten Testates haben wir uns dazu entschlossen zu warten und zu versuchen, das Prüfungshemmnis schnellstmöglich auszuräumen. Die Beseitigung des Prüfungshemmnisses liegt jedoch nicht allein in unserer Hand, sondern wesentlich beim ehemaligen Jahresabschlussprüfer der SBL Mobilien GmbH, der die Nachtragsprüfung zwingend durchführen muss.

In der vergangenen Woche haben wir über die Behandlung der Aspekte, die zur Nichtigkeit des Abschlusses geführt haben, mit allen vier beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Einigkeit erzielt und einen Terminplan aufgestellt, der die Erteilung eines uneingeschränkten Bestätigungsvermerks für den Jahresabschluss 2001 der SBL Mobilien GmbH durch ihren ehemaligen Jahresabschlussprüfer bis zum 30. Mai 2003 vorsieht. Im Anschluss daran kann die endgültige Prüfung des IAS Konzernabschlusses durch den IAS Jahresabschlussprüfer der GFKL Gruppe mit der für den 13. Juni 2003 geplanten Erteilung des uneingeschränkten Bestätigungsvermerkes durchgeführt werden.

Trotz dieser unerfreulichen Schwierigkeiten und Verzögerungen wirkt sich der Erwerb der SchmidtBank Leasing GmbH für die GFKL Gruppe insgesamt positiv aus. Die Integration der Gesellschaft konnte bereits sechs Monate nach ihrem Erwerb weitgehend abgeschlossen werden und die auf die GFKL Mobilien GmbH und Universal-Leasing-GmbH übergegangene Vertriebsmannschaft hat bereits zum weiteren Wachstum des Geschäftsbereichs Leasing beigetragen.

Ungeachtet der noch laufenden Prüfungshandlungen bei der SBL Mobilien GmbH wollen wir Sie jedoch bereits über die wirtschaftliche Lage der Unternehmensgruppe informieren und teilen Ihnen nachfolgend die weitgehend aber noch nicht abschließend geprüften Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2002 mit:

Mit unserem Aktionärsbrief vom 13. November 2002 wurde bereits angekündigt, die zu Jahresbeginn 2002 prognostizierte Ergebnissteigerung von 80% werde deutlich übertroffen. Es ist uns eine besondere Freude, Ihnen ein Jahresergebnis vor Steuern in Höhe von rund 17,5 Mio. Euro und damit eine Ergebnissteigerung von rund 140% avisieren zu können. Zu diesem Ergebnis hat die Akquisition der SchmidtBank Leasing GmbH wirtschaftlich mit rund 4,0 Mio. Euro beigetragen.

Der Umsatz wurde von 197 Mio. Euro auf 430 Mio. Euro ebenfalls mehr als verdoppelt. Trotz der weiteren Stärkung der Stabsbereiche und weiterer Neueinstellungen in den operativen Einheiten wurde eine signifikante Effizienzsteigerung erreicht. Besonders hervorzuheben ist die Steigerung des Umsatzes und des Gewinns pro Mitarbeiter. Der Umsatz pro Mitarbeiter erhöhte sich von 0,9 Mio. Euro um 34% auf 1,2 Mio. Euro, der Gewinn pro Mitarbeiter von 32 TEuro um 50% auf 48 TEuro.

Gerade in dem derzeit sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, in dem wir die Einzelwertberichtigungen auf Forderungen von 1,9 Mio. Euro in 2001 um 10 Mio. Euro auf 11,9 Mio. Euro in 2002 ganz erheblich erhöhen mussten, fällt das Konzernergebnis des Jahres 2002 dennoch sehr positiv aus.

Da wir unsere Kreditrichtlinien bereits im Herbst 2001 erheblich verschärft haben, sind wir auch vor dem Hintergrund der immer noch zunehmenden Zahl an Insolvenzen in Deutschland der Überzeugung, im Geschäftsjahr 2003 die Risikovorsorge auf gleichem oder geringerem Niveau ansetzten zu können.

Höhepunkte im Geschäftsjahr 2002

Im Januar 2002 erfolgte die Akquisition der Universal-Leasing-GmbH, Augsburg, von der Allianz Vermögens-Bank AG. Die Universal-Leasing-GmbH ist bereits seit 34 Jahren auf dem deutschen Leasingmarkt tätig. In Folge wurde zum 30. Juni 2002 das gesamte, bisher über die Allianz Vermögens-Bank AG forfaitierte Portfolio zurückgekauft und weitgehend über ein Asset Backed Commercial Paper (ABCP) Programm umfinanziert.

Die SchmidtBank Leasing GmbH wurde per 1. Oktober 2002 akquiriert. Sie war bereits seit 1987 auf dem deutschen Leasingmarkt tätig. Im Jahre 2001 wurde mit 69 Mitarbeitern über EUR 77,4 Mio. Neugeschäft generiert.

Der Geschäftsbereich Leasing refinanziert sich inzwischen wesentlich durch die Verbriefung von Forderungen über Commercial Paper. Im Oktober 2002 erhöhte die Westdeutsche Landesbank AG ihre ABCP-Linie um weitere 50 Mio. auf 300 Mio. Euro. Die ABN AMRO Bank N.V. stellte eine weitere Linie mit einem Volumen von EUR 250 Mio. zur Verfügung.

Die geschäftliche Entwicklung in der Proceed Portfolio Services GmbH wurde durch die erneute Übernahme von Servicemandaten, die Erweiterung der Dienstleistungspalette sowie die allgemeine Stärkung der Serviceorganisation geprägt. Im März 2002 wurde die Gesellschaft beauftragt, den Leasing-, Mietkauf- und Darlehensbestand einer internationalen Geschäftsbank und deren Tochtergesellschaft vollständig ab-zuwickeln und das Rechnungswesen für diese zu übernehmen. Einen weiteren Forderungsbestand aus Objektfinanzierungen der DaimlerChrysler Services Structured Finance GmbH übernahm die Proceed Portfolio Services GmbH im Juli 2002 für ihre Schwestergesellschaft Proceed Securitization Services GmbH in die Verwaltung. Weitere Mandate folgten für die Abwicklung von Darlehensportfolios zur Finanzierung von Lebensversicherungen nach britischem Modell, Immobilienfinanzierungen sowie seitens einer namhaften Bausparkasse und Lebensversicherung für die Abwicklung von notleidenden, grundpfandrechtlich gesicherten Forderungen.

Die Proceed Asset Trading GmbH konnte ungeachtet der schwierigen Absatzsituation auf den verschiedenen Gebrauchtgütermärkten überdurchschnittliche Verkaufspreise und sehr niedrige Standzeiten selbst für wenig marktgängige Objekte erzielen. Neben dem anhaltenden Wachstum aus dem Geschäft mit bestehenden Mandaten konnten im Geschäftsjahr 2002 zwei neue Mandate für die Betreuung von Leasingausläufern sowie für die Sicherstellung und Verwertung von Kreditsicherheiten gewonnen werden. Ferner konnten eine Vielzahl von Finanzinstituten als Kunden für Dienstleistungen im Bereich der Objektbewertung, teilweise auch der Sicherstellung und Verwertung gewonnen werden.

Im Geschäftsbereich Financial Outsourcing wurde die Proceed Securitization Services GmbH erstmals am Markt aktiv. Im Juli 2002 erwarb sie zunächst ein Leasing- und Mietkaufportfolio von der DaimlerChrysler Services Structured Finance GmbH, vormals DaimlerChrysler Capital Services (debis) Deutschland GmbH. Im Oktober 2002 erwarb sie Portfolios mit titulierten Darlehensverträgen unter anderem von einer internationalen Geschäftsbank, im Dezember ein Forderungsportfolio von einem internationalen Büromaschinenhersteller.

Zur Stützung des fortgesetzt starken Wachstums in beiden Geschäftsbereichen wurden dem Konzern liquide Mittel in Höhe von 43,1 Mio. Euro mittels zweier Kapitalerhöhungen zugeführt. In Verbindung mit den Kapitalerhöhungen konnten die ERGO Versicherungsgruppe AG über ihre Tochtergesellschaften VICTORIA Versicherung AG und Hamburg-Mannheimer Sachversicherungs-AG, die Fondsgesellschaft Oppenheim ACA Concept SICAV, die Sparkasse Essen sowie die Sparkasse Mülheim an der Ruhr als neue Aktionäre gewonnen werden.

Ereignisse im neuen Geschäftsjahr 2003

Zum 1. Januar 2003 wurde der Geschäftsbereich Leasing mit dem Erwerb der RCU Leasing GmbH & Co. KG und der RCU-Vermögensverwaltung GmbH erneut gestärkt. Die RCU Leasing GmbH & Co. KG wurde 1989 in Berlin gegründet. Das erzielte Neugeschäft im abgelaufenen Geschäftsjahr umfasste 1.052 Verträge mit einem Volumen von insgesamt rund 30,5 Mio. Euro.

Im Februar 2003 wurde seitens der Proceed Securitization Services GmbH eine weitere Akquisition eines Leasingportfolios getätigt. Anfang März 2003 erwarb sie von der WKV Bank GmbH, eine Tochter der Baden-Württembergische Bank AG (BW-Bank), sämtliche Geschäftsanteile an der WKV Leasing GmbH. Es ist geplant, die WKV Leasing GmbH im Laufe des zweiten Quartals 2003 auf die Proceed Securitization Services GmbH zu verschmelzen. Wirtschaftlich gleicht diese Akquisition damit einem Portfoliokauf.

Weitere, teilweise bereits konkretisierte Gespräche und Verhandlungen werden mit verschiedenen Banken und Leasinggesellschaften hinsichtlich des Erwerbs von Darlehens- und Leasingportfolios sowie hinsichtlich der Übernahme von Servicemandaten geführt.

Mit Wirkung zum 07. Februar 2003 wurde Herr Dr. Till Ergenzinger zum weiteren Vorstandsmitglied bestellt. Die Verträge der bestehenden Vorstandsmitglieder wurden verlängert.

Ausblick

Im kommenden Geschäftsjahr wird angestrebt, das Leasing- und Mietkaufgeschäft mit Hilfe des durch die Akquisition der Universal-Leasing-GmbH, der SchmidtBank Leasing GmbH und der RCU Leasing GmbH & Co. KG bundesweit verdichteten Vertriebsnetzes mit zweistelligen Wachstumsraten bei auch künftig hohen Margen weiter zu entwickeln. Getreu des verfolgten Portfolioansatzes wird der Geschäftsbereich Leasing das Finanzierungsportfolio weiter diversifizieren und das Engagement auf weitere Branchen und Teilmärkte ausdehnen. Die GFKL Mobilien GmbH konnte für den Aufbau des EDV-Leasings mit Großkunden sehr guter Bonität den Geschäftsführer und einige Vertriebsmitarbeiter der HP Finanz Service GmbH gewinnen.

Bei der Refinanzierung stützt sich der GFKL Konzern auf die bewährte Zusammenarbeit mit den bestehenden Refinanzierungspartnern, die in Anbetracht der Wachstumsziele ihre Engagements deutlich ausgeweitet haben. Verhandlungen mit The Royal Bank of Scotland plc über die Bereitstellung einer dritten ABCP-Linie im Volumen von 150 Mio. Euro sind abgeschlossen; die ersten Refinanzierungen über diese ABCP-Linie werden noch im ersten Halbjahr 2003 erfolgen.

Mit Datum vom gestrigen Tag hat die GFKL Financial Services AG sämtliche Aktien der phinware AG sowie sämtliche Geschäftsanteile der phinConsult GmbH erworben. Die phinware AG, Düsseldorf, ist einer der marktführenden Anbieter von Software für das Forderungsmanagement mit über 200 Installationen und 4.500 Anwendern in Deutschland. Zum Kundenkreis der phinware AG gehören die großen deutschen Kreditinstitute, Inkassogesellschaften sowie Versorgungs- und Versicherungsunternehmen. Zu den Produkten der phinware AG gehört auch die online Anwendung www.optimahn.de, welche die Beantragung von Mahnbescheiden über das Internet ermöglicht. Die phinConsult GmbH ist ein auf das Forderungsmanagement spezialisiertes Beratungsunternehmen, welches Banken und anderen Unternehmen beim Aufbau oder der Neustrukturierung ihrer Inkassoaktivitäten berät. Informationen zur phinware AG und phin-Consult GmbH finden Sie auch unter www.phinware.de. Phinware und phinConsult beschäftigen gemeinsam circa 50 Mitarbeiter.

Durch den Kauf stärkt die GFKL ihre Marktposition im Geschäftsbereich Financial Outsourcing und erwirbt insbesondere wichtiges Know-how für die Entwicklung von innovativen Lösungen für das Forderungsmanagement. Die Lösungen erlauben, die Vorteile des Outsourcing mit denen eines Insourcings zu verbinden – ein erstes Projekt in diesem Markt wurde bereits Ende vergangenen Jahres mit der phinware AG und der phinConsult GmbH begonnen.

Darüber hinaus sollen die Vertriebsstrukturen der phinware AG und der GFKL Financial Services AG im Geschäftsbereich Financial Outsourcing wechselseitig und zum gegenseitigen Vorteil genutzt werden. Andere interessante Anknüpfungspunkte gibt es in der weiteren Professionalisierung unserer gemeinsamen EDV-Entwicklung, der Integration von phinware Software mit unserer Lease-1 und vielfältigen, operativen Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Nicht zuletzt haben die vergangenen Monate gezeigt, dass phinware, phinConsult und GFKL auch kulturell sehr gut zueinander passen, so dass die Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinsamer Projekte mit Sicherheit für alle Beteiligten interessant sein und Freude bereiten wird.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten:

  • Das Geschäftsjahr 2002 war – auch unabhängig von der Akquisition der SBL Mobilien GmbH – sehr erfolgreich und brachte das in der Unternehmensgeschichte bislang beste Ergebnis hervor.
  • Die Akquisition der SchmidtBank Leasing GmbH hat wegen der oben beschriebenen Probleme mit den Vorjahresabschlüssen mehr Aufmerksamkeit erfordert als geplant, wird aber ökonomisch insgesamt ein großer Erfolg sein.
  • Die Geschäfte haben sich im Jahr 2003 überplanmäßig gut entwickelt; die Kreditausfälle liegen unterhalb, die Erträge oberhalb der Planungen.
  • Während sich die Entwicklung des Leasinggeschäfts relativ gut einschätzen lässt, vollzieht sich das Wachstum des Geschäftsbereichs Financial Outsourcing weiterhin unregelmäßig und bleibt damit zunächst noch nicht genauer planbar. Die in der Aufbauphase dieses Geschäftsbereichs sprunghafte Entwicklung bei Beschäftigung und Ergebnis wird sich in der Zukunft zunehmend verstetigen.

Der Vorstand erwartet für das Geschäftsjahr 2003 eine weiterhin positive Entwicklung der geschäftlichen Aktivitäten und rechnet mit einer Steigerung des Konzernergebnisses um mindestens weitere 20% gegenüber dem hervorragenden Ergebnis des Jahres 2002.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Peter Jänsch
GFKL Financial Services AG


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