GFKL Financial Services AG - Brief an die Aktionäre
Essen, 8. April 2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
trotz der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland freue ich mich, Ihnen heute über die positive Geschäftsentwicklung der GFKL berichten zu können.
Jahresabschluss 2003
Mittlerweile haben wir die uneingeschränkt testierten Wirtschaftsprüfungsberichte über das Geschäftsjahr 2003 vorliegen. Umsatz und Gewinn vor Steuern konnten jeweils um 15 % gesteigert werden. Der Umsatz betrug 493,0 Mio. Euro, der Gewinn vor Steuern 20,2 Mio. Euro. Durch die im Rahmen der phinware/ABIT Transaktion teilweise steuerfrei erwirtschafteten Erlöse konnten wir das Ergebnis nach Steuern sogar um 26 % auf 14,5 Mio. Euro steigern. Das Ergebnis pro Aktie beträgt 1,02 Euro und die Eigenkapitalrendite beläuft sich auf 24,1 % vor Steuern und 17,3 % nach Steuern.
Zu diesem guten Ergebnis haben unsere beiden Geschäftsbereiche erfreulicherweise nahezu gleichmäßig beigetragen. Der Bereich Leasing hat rund 44 % und der Bereich Financial Outsourcing rund 56 % der Erträge erwirtschaftet.
Bereichsübergreifend sind wir mit dem Verhältnis von wiederkehrenden zu einmaligen Erlösen noch nicht zufrieden. Wie auch in den vergangenen Jahren waren deutliche Teile des Leasing- und des Outsourcinggewinns von einzelnen Projekten geprägt. Diese Projekterlöse sind zum einen schwer planbar und zum anderen stark von der Leistung einzelner Personen abhängig.
Es bleibt unser Ziel, den Anteil der »wiederkehrenden« Erlöse zu steigern, um auch im Rahmen eines späteren Börsengangs möglichst attraktive Bewertungen zu erzielen.
Konkrete Maßnahmen zur Steigerung der nachhaltigen Ergebnisse sind bereits in 2002 eingeleitet und in 2003 fortgeführt worden. Neben einer kontinuierlichen Erhöhung des eigenakquirierten Leasingneugeschäfts ist hier insbesondere die Geschäftsaufnahme der Sirius Inkasso GmbH zu nennen.
Im Leasingbereich konnten wir in 2003 das eigenakquirierte Neugeschäft von 285,2 Mio. Euro auf 387,8 Mio. Euro steigern. Diese Steigerung von 36 % liegt weit über dem Branchendurchschnitt und ist um so höher zu bewerten, als sie nicht zu Lasten der Zinserträge gegangen ist. Die im Neugeschäft enthaltene Barwertmarge stieg sogar überproportional um 60 % von 23,4 Mio. Euro auf 37,4 Mio. Euro. Die Neugeschäftssteigerung in 2003 haben wir im Wesentlichen durch die erfolgreiche Integration der zugekauften Leasinggesellschaften geschafft.
In 2004 wollen wir durch eine große Anzahl von Neueinstellungen im Vertriebsbereich, bei gleichbleibendem Verwaltungspersonal, die Effektivität des Leasingbereichs deutlich steigern. Unser mehr als ehrgeiziges Ziel für 2005 ist es, mit 20 % mehr Mitarbeitern das Neugeschäft gegenüber 2003 um 60 % zu steigern. Wenn wir dieses Ziel erreichen und die Verluste aus notleidenden Verträgen nicht überproportional steigen, sollten wir ab 2005 über außerordentlich erfreuliche Ergebnisse im Leasingbereich berichten können.
Der Gewinn im Geschäftsbereich Outsourcing konnte in 2003 um über 60 % gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden und leistet mit rund 13 Mio. Euro einen wesentlichen Beitrag (56 %) zum guten Jahresergebnis der GFKL. Es konnten zahlreiche neue Mandate abgeschlossen werden und mit der Gründung der Sirius Inkasso GmbH der Grundstein für nachhaltig positive Ergebnisbeiträge gelegt werden. Die Sirius Inkasso GmbH wickelt zukünftig das Forderungsinkasso im Massengeschäft ab. Als erste Mandanten werden die verschiedenen Sparten der VICTORIA Versicherung und der Sachversicherungsbereich der D.A.S. Deutscher Automobil Schutz ihre notleidenden Forderungen in den nächsten 5 Jahren exklusiv durch die Sirius Inkasso GmbH einziehen lassen. Wir erwarten für die Sirius Inkasso GmbH in den kommenden Jahren weitere Mandate und damit stetig steigende Gewinne. Die Einrichtung des Geschäftsbetriebes der Sirius Inkasso konnte zwischenzeitlich innerhalb des geplanten Zeitrahmens und Budgets abgeschlossen werden.
Eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Portfoliokäufe sorgte im Geschäftsbereich Outsourcing für eine gute Auslastung der Mitarbeiterkapazitäten, dennoch konnte auch das Reorganisationsprojekt REEP fortgesetzt und nach Ablauf des Geschäftsjahres abgeschlossen werden.
Darüber hinaus wurde zur Stärkung der Marktposition im Geschäftsbereich Financial Outsourcing mit dem Kauf der phinware AG und der anschließenden Einbringung in die ABIT AG ein bedeutender Meilenstein für unsere Unternehmensgruppe gesetzt. In der Vergangenheit haben wir als Investor überdurchschnittliche Renditen beim Kauf von Forderungsportfolios erzielen können. Getragen von dieser positiven Erfahrung wollen wir in Zukunft verstärkt in diesem Bereich investieren und erwarten uns von der partnerschaftlichen Kooperation mit der ABIT AG einen deutlich besseren Zugang zu potentiellen Forderungsverkäufern. Immerhin ist die neue ABIT AG nach der Verschmelzung mit der phinware AG der Marktführer im Bereich von Forderungsmanagementlösungen für Banken und Versorger.
Ausblick
Wir rechnen für 2004 im Geschäftsbereich Leasing, auf Grund der erheblichen Investitionen in effektivere Prozesse und auf Grund der allgemeinen schwierigen wirtschaftlichen Lage, bestenfalls mit gleichbleibenden Gewinnen. Erhebliche Gewinnsteigerungen können - wenn wir uns planmäßig entwickeln - in 2005 eintreten.
Im Geschäftsbereich Financial Outsourcing werden wir in 2004 weiterhin sehr stark von der Gewinnung einzelner neuer Mandate abhängig sein. Die Sirius Inkasso GmbH ist vor wenigen Tagen operativ gestartet und wird bereits in diesem Jahr positive Ergebnisse beisteuern, ihr Ergebnisbeitrag ist aber naturgemäß in absoluten Beträgen von zunächst untergeordneter Bedeutung.
Insgesamt ist die Gewinnprognose des Vorstands für 2004 verhalten positiv. Das erste Quartal 2004 war – wie in den vergangenen Jahren – enttäuschend. Wir erwarten ein gutes zweites Quartal, so dass wir per Halbjahr im Plan liegen dürften. Erst im zweiten Halbjahr wird sich dann zeigen, ob wir im zwölften Jahr in Folge unseren Gewinn steigern können.
Für den Zeitraum ab 2005 sind wir auf Basis der eingeleiteten Maßnahmen deutlich optimistischer.
Börsengang
Die Frage nach unserer Planung zum Thema Börsengang wird, nachdem die Aktienmärkte sich in den letzten Monaten etwas erholt haben, immer wieder an uns herangetragen. Sie alle wissen, dass wir bereits in 2001 an die Börse gehen wollten und dass uns das sich ab Mitte 2001 immer weiter verschlechterte Marktumfeld dazu bewogen hat, von einem Börsengang Abstand zu nehmen.
Seitdem sind fast drei Jahre vergangen und die GFKL kann für diese drei Jahre ein bemerkenswertes Wachstum vorweisen. Das Geschäftsmodell wurde weiterentwickelt und der Gewinn wurde von 3,8 Mio. Euro im Jahre 2000 auf 20,1 Mio. Euro in 2003 mehr als vervierfacht. Diese Gewinnsteigerung entspricht im Durchschnitt 74 % pro Jahr. (CAGR)
Wir konnten in diesen drei Jahren das Vertrauen in die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells und in unsere positive Ergebnisentwicklung weiter stärken und es überrascht daher nicht, dass die Presse uns nach der positiven Entwicklung der Kapitalmärkte in verschiedenen Artikeln als Börsenaspirant für den Herbst 2004 sieht. Auch wenn wir uns über diese positive Sicht freuen, so schließen wir jedoch derzeit einen Börsengang für 2004 aus.
Der Vorstand ist – im Einklang mit dem Aufsichtsrat – davon überzeugt, dass wir eher einen mittelfristiger Zeitraum von 18 – 24 Monaten für die Erstnotierung ins Auge fassen sollten.
Die Gründe für diese Überzeugung sind vielschichtig: Zunächst einmal ist bisher noch nicht bewiesen, dass wir wirklich ein stabiles Kapitalmarktumfeld für erklärungsbedürftige Geschäftsmodelle haben. Im übrigen ist der Kapitalmarkt im Hinblick auf Unternehmen deren Ergebnisplanung stark vom Projektgeschäft abhängt zur Zeit deutlich kritischer als vor drei Jahren. Des Weiteren sind wir der Auffassung, dass uns bei einem Börsengang in 2004 die Potentiale aus unseren neuen Geschäftsaktivitäten im Bereich Outsourcing nur mit sehr hohen Abschlägen angerechnet würden. Schließlich braucht unser Unternehmen derzeit weder aus liquiditäts- noch aus bilanziellen Gesichtspunkten weiteres Eigenkapital. Wir werden uns daher in den nächsten 18 - 24 Monaten verstärkt um die Steigerung der »wiederkehrenden« Erlöse und um den schrittweisen Ausbau unserer beiden Geschäftsbereiche kümmern.
Verschiedene private Investoren haben den Vorstand in den vergangenen Wochen darauf angesprochen, ob alternativ zu einem Börsengang nicht die Möglichkeit besteht, einen Teil Ihrer Aktien privat zu platzieren.
Der Vorstand ist bereit einen solchen Verkaufsprozess zu koordinieren. Um die damit verbundene Belastung des Vorstandes möglichst gering zu halten möchten wir Sie bitten, uns bis Ende diesen Monats mitzuteilen, ob und falls ja, zu welchem Preis Sie wie viele Aktien verkaufen oder kaufen möchten. Wir halten derzeit einen Kaufpreis von 12,00 – 12,50 Euro für marktfähig.
Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Mitarbeitern und Geschäftspartnern für ihr Engagement und bei unseren Aktionären für ihr Vertrauen bedanken. Der Erfolg der GFKL bleibt auch in der Zukunft unser gemeinsamer Erfolg.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch
GFKL Financial Services AG
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