GFKL Financial Services AG - Brief an die Aktionäre
Essen, 19. August 2003
Sehr geehrte Damen und Herren,
ungeachtet der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit hat sich das Neugeschäft und die Profitabilität des Geschäftsbereichs Leasing im ersten Halbjahr 2003 sehr erfreulich entwickelt. Bis zum 30. Juni 2003 konnte gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 das Leasingneugeschäft um rund 58% gesteigert werden. Der aktuelle Ergebnisbeitrag aus diesem Geschäftsbereich erhöhte sich um 37%.
Auch der Geschäftsbereich Financial Outsourcing verzeichnete eine sehr positive Entwicklung. Während sich die Rezession im Geschäftsbereich Leasing durch erhöhten Wertberichtigungsbedarf dennoch negativ bemerkbar machte, profitierte der Geschäftsbereich Financial Outsourcing von der derzeit hohen Bereitschaft der Banken, Forderungen und Prozesse an Unternehmen der GFKL-Gruppe auszulagern. Verschiedene neue Mandate konnten gewonnen und verwaiste Forderungsbestände erworben werden. Der Geschäftsbereich konnte im ersten Halbjahr 2003 mit einer Steigerung seines Gewinns um 56% noch wesentlicher zur positiven Entwicklung des Konzernergebnisses beitragen. Der Anteil am Konzernergebnis liegt damit inzwischen bei 54%.
Ergebnisse des ersten Halbjahres 2003
Die Entwicklung des Konzerns hat auch im ersten Halbjahr erneut die Erwartungen übertroffen. Das Konzernergebnis vor Steuern konnte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002 von 7,3 Mio. um 26% auf 9,2 Mio. Euro gesteigert werden.
Die Ertragslage des Konzerns wurde sowohl von dem gestiegenen Neugeschäft als auch von den Portfolioakquisitionen und von dem Verkauf von Leasing- und Mietkaufforderungen in die ABCP-Programme wesentlich geprägt. Das Zinsergebnis erhöhte sich im Periodenvergleich von 21,8 Mio. auf 24,4 Mio.
Der Geschäftsbereich Leasing konnte im ersten Halbjahr seinen Ergebnisbeitrag von 3,7 Mio. auf 5,0 Mio Euro um 37% steigern. Das Neugeschäftsvolumen im Geschäftsbereich Leasing nahm von 123 Mio. auf 194 Mio. Euro zu. Die Anzahl neuer Engagements stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr von rund 2.700 auf 4.200 Verträge.
Bei der Ermittlung der Einzelwertberichtigungen fand die sich in Deutschland abzeichnende negative wirtschaftliche Entwicklung nebst der sich allgemein verschlechternden Zahlungsmoral ihre Berücksichtigung. Allen risikobehafteten Posten wurde durch die Bildung angemessener Einzelwertberichtigungen Rechnung getragen. Sie wurden seit Beginn des Geschäftsjahres bis zum 30. Juni 2003 von 18,8 Mio. auf 21,6 Mio. Euro erhöht und entsprach einer Größenordnung von jährlich 0,75% der ausstehenden Forderungen. Dies entspricht gegenüber dem Geschäftsjahr 2002 einer Verringerung um rund 0,25 Prozentpunkte. Eine den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasste, noch einmal verschärfte Kreditannahmepolitik bei gleichzeitiger Beibehaltung der bisherigen hohen Margen hat eine deutliche Wirkung gezeigt.
Im Bereich Financial Outsourcing wurde das Ergebnis vor Steuern angesichts neuer Portfolioakquisitionen und der Hinzurechnung von zwei akquirierten Gesellschaften im ersten Halbjahr von 3,7 Mio auf 5,9 Mio. um 2,2 Mio. Euro gesteigert.
Mit diesen Akquisitionen und auch mit dem Kauf von zwei deutschen Leasinggesellschaften hat sich die Bilanzsumme gegenüber dem Beginn des Geschäftsjahres von 361,5 Mio. auf 395,8 Mio. Euro erhöht. Allerdings wird durch die Refinanzierung über Asset Backed Commercial Paper ein Großteil der Leasing- und Mietkaufforderungen, ein Gegenwert von 433,1 Mio. Euro, nicht in der Bilanz ausgewiesen.
In den abgelaufenen 6 Monaten erhöhte sich das Eigenkapital von EUR 78,8 Mio. auf EUR 84,1 Mio. Aufgrund des Forderungsverkaufs in die ABCP Programme blieb trotz des thesaurierten Halbjahresergebnisses die Eigenkapitalquote weitgehend konstant und lag zum 30. Juni bei 21,2%. Die gewichtete Eigenkapitalrendite nach Steuern betrug zum 30. Juni 2003 13,1%.
Höhepunkte im ersten Halbjahr 2003
Integration der SchmidtBank Leasing GmbH (heute SBL Mobilien GmbH)
Durch die erforderliche Neuaufstellung und Nachtragsprüfung von historischen Jahresabschlüssen der früheren SchmidtBank Leasing GmbH (heute SBL Mobilien GmbH) entstanden Verzögerungen bei der Aufstellung des IAS-Konzernabschlusses. Das Prüfungshemmnis für den IAS Konzernabschluss der GFKL Gruppe aufgrund der fehlenden Eröffnungsbilanzwerte der SBL Mobilien GmbH wurde erfolgreich ausgeräumt, der konsolidierte Konzernabschluss nach IAS/ IFRS für das Geschäftsjahr 2002 konnte daher mit uneingeschränktem Prüfungsvermerk versehenen vorgelegt werden.
Akquisition der RCU Leasing GmbH & Co. KG
Zum 1. Januar 2003 erfolgte der Erwerb sämtlicher Geschäftsanteile an der RCU Leasing GmbH & Co. KG und der RCU Leasing Verwaltungsgesellschaft mbH. Die RCU Leasing GmbH & Co. KG wurde in ihrer ursprünglichen Form in 1989 in Berlin gegründet. Das erzielte Neugeschäft im Geschäftsjahr 2002 umfasste 1.052 Verträge mit einem Volumen von insgesamt rund EUR 30,5 Mio. Mit der Akquisition verlegte sie ihren Sitz mit Wirkung zum 6. Juni 2003 von Berlin nach Essen; es wechselten die Vertriebsmitarbeiter zur GFKL Mobilien GmbH und erweiterten damit deren Vertriebsorganisation um die Standorte Dortmund und Berlin.
Akquisition der WKV Leasing GmbH
Am 22. April 2003 erwarb die GFKL Financial Services AG von der WKV Bank GmbH, eine Tochter der Baden-Württembergische Bank AG (BW-Bank), sämtliche Geschäftsanteile an der WKV Leasing GmbH, alle Stuttgart. Mit Vertrag vom 28. Mai 2003 wurde vereinbart die WKV Leasing GmbH auf die Proceed Securitization Services GmbH zu verschmelzen. Die Verschmelzung wird rückwirkend zum 1. Januar 2003 mit der Eintragung in das Handelsregister wirksam.
Die Gesellschaft besaß zum Zeitpunkt der Übernahme keine Mitarbeiter. Die Akquisition der WKV Leasing GmbH diente rein dem Portfolioerwerb. Die Gesellschaft wird daher nach ihrer Verschmelzung auf die Proceed Securitization Services GmbH nicht weitergeführt. Vor diesem Hintergrund erwarb die Proceed Securitization Services GmbH am 22. April 2003 von der WKV Leasing GmbH sämtliche Forderungen und verpflichtete sich zur Ablösung eines Refinanzierungsdarlehens der Gesellschaft in Höhe von EUR 12,8 Mio., welches bei der General Electric Capital Deutschland GmbH, Köln, unterhalten wurde.
Mit der Verwaltung des Portfolios von rund 950 Leasing- und Mietkaufverträgen wurde die Proceed Portfolio Services GmbH beauftragt. Der Großteil dieser Verträge mit einem Volumen von EUR 10,6 Mio. wurde über das Tulip ABCP-Programm refinanziert.
Akquisition eines Leasingportfolios von der DCC Leasing GmbH
Im Februar 2003 wurden von der DCC Leasing GmbH, Bad Homburg, einer mittelbaren Tochter der US-amerikanischen Dana Corporation in Toledo, Ohio, das gesamte deutsche Leasingportfolio mit einem Forderungsvolumen von rund EUR 8 Mio. erworben. Mit der Verwaltung und Einziehung der Forderungen wurde die Proceed Portfolio Services GmbH beauftragt.
phinware AG und phinConsult GmbH
Am 5. Mai 2003 erwarb die GFKL Financial Services AG sämtliche Aktien der phinware AG sowie sämtliche Geschäftsanteile der phinConsult GmbH. Die phinware AG, Düsseldorf, ist einer der marktführenden Anbieter von Software für das Forderungsmanagement mit über 200 Installationen und 4.500 Anwendern in Deutschland. Zum Kundenkreis der phinware AG gehören die großen deutschen Kreditinstitute, Inkassogesellschaften sowie Versorgungs- und Versicherungsunternehmen. Zu den Produkten der phinware AG gehört auch die online Anwendung www.optimahn.de, welche die Beantragung von Mahnbescheiden über das Internet ermöglicht. Die phinConsult GmbH ist ein auf das Forderungsmanagement spezialisiertes Beratungsunternehmen, welches Banken und anderen Unternehmen beim Aufbau oder der Neustrukturierung ihrer Inkassoaktivitäten unterstützt.
Durch den Kauf stärkt der GFKL Konzern seine Marktposition im Geschäftsbereich Financial Outsourcing und erwirbt insbesondere wichtiges Know-how für die Entwicklung von innovativen Lösungen für das Forderungsmanagement. Die Lösungen erlauben, die Vorteile des Outsourcing mit denen eines Insourcings zu verbinden. Darüber hinaus sollen die Vertriebsstrukturen der phinware AG und der übrigen Konzerngesellschaften im Geschäftsbereich Financial Outsourcing wechselseitig und zum gegenseitigen Vorteil genutzt werden.
Im Zuge der Akquisition der phinware AG sowie der phinConsult GmbH wurde ein erstes Mandat für das «Intelligente Inkasso” gewonnen. Inhalt ist die Errichtung und Ausstattung sowie der Betrieb einer externen Inkassogesellschaft im Rahmen einer Outsourcing-Maßnahme für eine deutsche Versicherungsgesellschaft.
Erweiterung der Refinanzierungsbasis
Um dem gestiegenen Neugeschäftsvolumen und der Neuausrichtung des Leasinggeschäftes Rechnung zu tragen, wurde die Refinanzierungsbasis erneut erweitert. Im Mai des Jahres 2003 konnte die Royal Bank of Scotland als neuer Refinanzierungspartner mit einer ABCP Linie im Volumen von zunächst 150 Mio. Euro hinzugewonnen werden. Zum Ende des Halbjahres wurden aus Umschichtungen aus anderen Refinanzierungslinien bereits 70 Mio. Euro in Anspruch genommen. Die Möglichkeit einer Erhöhung dieser Linie um weitere 100 Mio. Euro bei Bedarf wurde bereits bei ihrer Einräumung vereinbart.
Mit dieser neuen Linie stehen dem Konzern insgesamt 700 Mio. Euro an Refinanzierungslinien auf Basis von Asset Backed Commercial Paper zur Verfügung, welche zum 30. Juni mit knapp über 70% ausgelastet waren. Verhandlungen über eine vierte ABCP Refinanzierungslinie werden derzeit mit einer renommierten amerikanischen Bank geführt. Die Inanspruchnahme dieser vierten Linie wird zunächst von der Möglichkeit abhängig gemacht, eine weitere signifikante Portfolioakquisition zu tätigen.
Ausblick
Der Vorstand erwartet für das Geschäftsjahr 2003 eine weiterhin positive Entwicklung der geschäftlichen Aktivitäten und rechnet mit einer Steigerung des Konzernergebnisses um mindestens weitere 20% gegenüber dem hervorragenden Ergebnis des Jahres 2002.
Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen Mitarbeitern und Geschäftspartnern für ihr Engagement, mit der alle gemeinsam zum Erfolg der GFKL beigetragen haben.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch
GFKL Financial Services AG
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