GFKL Financial Services AG - Brief an die Aktionäre

Essen, 16. August 2004

Liebe Mitgesellschafter,
sehr geehrte Damen und Herren,


die Anwendung der neuen Rechnungslegungsvorschriften nach IAS 32 und 39 zum 01. Januar 2004, (wir informierten Sie in unserem Aktionärsbrief vom 02. Juli 2004 darüber) haben wir mittlerweile umgesetzt und können Ihnen nun zeitnah unsere Halbjahresergebnisse präsentieren.

Bitte beachten Sie, dass aus Transparenzgründen neben den aktuellen Halbjahreszahlen die Vergleichszahlen aus der Vorjahresperiode ebenfalls nach den neuen Rechnungslegungsstandards ermittelt wurden.

Was hat sich geändert?

Erstens werden die Erträge aus dem Leasingbereich jetzt nicht mehr zum Zeitpunkt der Verbriefung, sondern erst pro rata über die Laufzeit der Verträge als Zinseinnahmen gezeigt. Dies führte im ersten Halbjahr zu einem – ceteris paribus – deutlich geringeren Zinsergebnis. Bei 175 Mio. Euro Neugeschäft haben wir in den ersten sechs Monaten 2004 immerhin einen Barwert von rund 21 Mio. Euro erwirtschaftet von dem wir statt bisher rund 16 Mio. Euro nur etwa 9 Mio. Euro ergebniswirksam im Zinsergebnis zeigen konnten. Die fehlenden 7 Mio. Euro wurden durch Erträge aus dem in der Vergangenheit aufgebauten Portfolio teilweise ausgeglichen. Per Saldo allerdings werden wir uns mindestens die nächsten drei Jahre auf Grundlage der neuen Standards im Leasingbereich schlechter darstellen als bisher und eine immer größere stille Reserve aufbauen.

Zweitens haben wir im ersten Halbjahr ein Refinanzierungsportfolio im Outsourcingbereich gekauft und verbrieft. Bei diesem Geschäft konnten wir nach alter Rechnungslegung einen sofort ergebniswirksamen Gewinn von fast 6 Mio. Euro zeigen. Durch Anwendung der neuen Rechnungslegungsvorschriften können nun nur noch rund 0,5 Mio. Euro im ersten Halbjahr ausgewiesen werden. Der Rest geht ebenfalls in die stille Reserve.

Drittens – und das war positiv – hat sich die nach alter Rechnungslegung in 2003 erfolgte Verbuchung des Gewinns aus der phinware/ABIT-Transaktion ebenfalls nach hinten verschoben. Die Ende 2003 nach neuer Rechnungslegungsmethode gelegte stille Reserve konnte (und musste) mit erfolgter Eintragung der Verschmelzung im März 2004 ergebniswirksam gezeigt werden. Dadurch sind uns nach neuer Rechnungslegung wirtschaftlich rund 7 Mio. Euro mehr Gewinn entstanden. Selbst wenn man den auf uns entfallenden verschmelzungsbedingten Verlust der ABIT in Höhe von 0,6 Mio. Euro abzieht, verbleiben immerhin noch 6,4 Mio. Euro.

Zusammenfassend weisen wir durch den einmaligen phinware/ABIT-Effekt im ersten Halbjahr in etwa den gleichen Gewinn unter IAS 39 revised aus, den wir auch ohne Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften gezeigt hätten.

Die sich aus der Umstellung der Bilanzierung ergebenden Ergebnisänderungen der Vorjahre wurden einmalig im bilanziellen Eigenkapital per 01. Januar 2004 berücksichtigt. Durch diese Vorgehensweise wird die Vergleichbarkeit der aktuellen Abschlüsse mit denen der Vorjahre gewährleistet. Das bilanzielle Eigenkapital der GFKL veränderte sich somit zum 01. Januar 2004 von 91,4 Mio. Euro (alt) auf 75,1 Mio. Euro (neu). Der Differenzbetrag in Höhe von 16,3 Mio. Euro fließt dem Eigenkapitel aus den stillen Reserven in den nächsten Jahren wieder zu.

All das ist für den Bilanzierungslaien recht schwer verständlich. Daher werde ich im Folgenden darauf verzichten, Vergleiche zur »alten« Bilanzierungswelt zu ziehen. Wir haben stattdessen zu Vergleichszwecken die vergangenen Jahre so neu berechnen lassen, wie sie sich bei rückwirkender Anwendung der IAS Änderungen ergeben hätten. Dadurch ist jetzt und in Zukunft ein Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln möglich.

Sehr erfreuliches Halbjahresergebnis 2004

Den nach wie vor schwierigen Marktbedingungen zum Trotz war die GFKL-Gruppe in der Lage, sich auf ihren Märkten sehr gut zu behaupten. Bei kaum geändertem Konzernumsatz konnte der Gewinn vor Steuern sehr deutlich gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden.

Der Ergebnisbeitrag des Geschäftsbereichs Financial Outsourcing lag zum 30. Juli 2004 mit 8,7 Mio. Euro (+3,8 Mio. Euro = +77% zum Vorjahr) deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres und übererfüllte somit die Planungen deutlich.

Der Ergebnisbeitrag des Geschäftsbereichs Leasing lag zum 30. Juli 2004 mit 3,1 Mio. Euro (+2,5 Mio. Euro und +390% zum Vorjahr) wie erwartet sehr deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres. Auf Grund des schwachen Neugeschäfts im ersten Quartal liegen wir mit dem an sich erfreulichen Gewinnwachstum im Leasingbereich aber noch hinter unserer ehrgeizigen Planung für 2004. Das gute zweite Quartal und der sehr gute Juli haben den Planungsrückstand im Ergebnisbereich per Juli bereits auf unter 10% verkürzt. Wenn sich das Neugeschäft in den kommenden Monaten so weiterentwickelt wie im Juni und Juli, werden wir zum Jahresende auch im Leasingbereich die Ziele doch noch gut erreichen.

Da die Zahlen auf der nächsten Seite mehr als beeindruckend sind, möchte ich – ohne einen Tropfen Wasser in den Wein zu gießen – vermeiden, unrealistische Erwartungen zu wecken. Ohne den Sonderertrag Phinware/ABIT wäre das Ergebnis in diesem ersten Halbjahr nach Steuern nur 1,5 Mio. Euro besser als im Vorjahreszeitraum ausgefallen.

Tatsächlich können wir aber auf ein Rekordergebnis von 10,1 Mio. Euro Gewinn nach Steuern für das erste Halbjahr 2004 blicken. Das entspricht einem Halbjahresertrag von 72 Cent pro Aktie.

Dieser Ertrag wurde von rund 750 Mitarbeitern bei einem Konzernumsatz von 227 Mio. Euro erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr betrug unsere Eigenkapitalrendite 26,9 % nach Steuern.

Highlights

Akquisition eines Leasingportfolios
Mit wirtschaftlicher Wirkung per 01. Januar 2004 wurde am 23. April 2004 durch die Proceed Securitization Services GmbH von einer Landesbank ein Bestand an Leasingrefinanzierungen mit einem Forderungsvolumen von rund 65 Mio. Euro gekauft. Das Portfolio besteht aus angekauften Leasingraten und aus Darlehensforderungen, welche vor allem zur Restwertrefinanzierung vergeben worden sind. Die Schuldner sind rund 40 kleinere und mittelständische Leasinggesellschaften und deren Leasingnehmer. Die von der Proceed Securitization Services GmbH angekauften Forderungen wurden über das von der State Street Bank arrangierte ABCP Programm Galleon refinanziert.


Gründung der Sirius Inkasso GmbH
Die Sirius Inkasso GmbH verwaltet mittlerweile mehr als 100.000 Forderungen der VICTORIA Versicherung sowie des D.A.S. Deutscher Automobil Schutz, zu denen monatlich ca. 12.000 neue Forderungen hinzukommen. Außerdem befindet sie sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit weiteren Gesellschaften hinsichtlich der Übernahme neuer Mandate. Es zeigt sich sehr deutlich, dass hier der Grundstein für nachhaltiges Wachstum und stabile Ergebnisse gelegt worden ist.


Akquisition der Transnedlease B.V., Eindhoven
Nach der erfolgreichen Integration mehrerer Leasinggesellschaften in die GFKL-Gruppe hat sich der Vorstand entschieden, durch weitere Akquisitionen das organische Wachstum zu ergänzen. Zum 29. Juli 2004 erfolgte die erfolgreiche Übernahme der niederländischen Transnedlease B.V, von der SNS Reaal Invest N.V. Durch die Übernahme der Gesellschaft erwirbt die GFKL-Gruppe erstmalig ein Unternehmen im europäischen Ausland und ermöglicht sich so den Eintritt in den lukrativen niederländischen Leasingmarkt.

Die Transnedlease B.V. wurde 1993 in Eindhoven gegründet und ist die größte unabhängige LKW und Anhänger Leasinggesellschaft in den Niederlanden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, welches am 31. Dezember 2003 endete, generierte die Gesellschaft mit ihren 18 Mitarbeitern am Standort Eindhoven ein Neugeschäftsvolumen von knapp 48 Mio. Euro mit 952 Verträgen. Transnedlease erwirtschaftete dabei in 2003 ein Ergebnis vor Steuern von 2,1 Mio. Euro.

Das Leasingportfolio zum 30. Juni 2004 mit knapp 4.000 Verträgen ist auf 83% LKW‘s und 17% Anhänger verteilt und stellt für das bisherige Portfolio der Universal Leasing GmbH eine gute Ergänzung dar. Transnedlease ist seit 1997 auch unter dem Markennamen IVECO-Lease als »Captive-Leasinggesellschaft« für IVECO auf dem niederländischen Leasingmarkt tätig.

Transnedlease wird ihren Vertragsbestand auch künftig eigenständig verwalten und das Neugeschäft aktiv und eigenständig unter den bereits bekannten Labels »Transnedlease« und »IVECO Lease« generieren. Die Integrationsstrategie sieht vor, dass unsere neue Tochter neben der Anbindung in das unternehmensweite Risikomanagement und den Kreditmanagementprozess auch die webbasierte Plattform »NetLease« erhalten wird.

Die Refinanzierung des Neugeschäfts sowie des bestehenden Portfolios erfolgt im Wesentlichen über das ABCP-Programm »Tulip« von ABN Amro, welches hierzu auf EUR 350 Mio. aufgestockt wurde.

Ausblick

Aufgrund des im Juni und Juli angezogenen Neugeschäfts in Deutschland und wegen der Akquisition der Transnedlease wird für das Geschäftsjahr 2004 ein Neugeschäft von 450 Mio. Euro (+20%) im Leasingbereich erwartet. Die Ergebnisse in diesem Geschäftsbereich werden – besser als noch zu Beginn des Jahres avisiert – wohl bereits in 2004 gegenüber dem Vorjahr steigen. Signifikante weitere Ergebnissteigerungen dürfen wir dann in 2005 erwarteten.

Auch im Geschäftsbereich Financial Outsourcing können wir mit Zuversicht in das zweite Halbjahr blicken. Es besteht weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial und wenn es uns gelingt, einige der derzeit in Arbeit befindlichen Projekte erfolgreich zum Abschluss zu bringen, wird sich das in den zukünftigen Ergebnissen erfreulich niederschlagen.

Der Vorstand erwartet somit zusammenfassend für das Geschäftsjahr 2004 eine positive Entwicklung der geschäftlichen Aktivitäten und rechnet mit einer weiteren Steigerung des Konzernergebnisses.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Peter Jänsch
GFKL Financial Services AG


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