GFKL Financial Services AG - Brief an die Aktionäre
Essen, 5.April 2005
Liebe Mitgesellschafter,
sehr geehrte Damen und Herren,
auch in 2004 ist der Geschäftsbericht der GFKL-Gruppe ein „Wachstumsbericht”: Wir haben unsere ehrgeizigen Ziele erreicht und zugleich die Weichen für eine Fortsetzung unseres Wachstumskurses gestellt – mit ebenfalls anspruchsvollen Zielen für das Jahr 2005 bei gesicherter Nachhaltigkeit.
Ich habe in meinen letzten Aktionärsbriefen bereits mehrfach auf die Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften hingewiesen, durch die im Ergebnis Erträge bei GFKL während der noch andauernden Wachstumsphase später gezeigt werden als nach den alten Vorschriften. In allen Berichten haben wir die Vorjahrszahlen zur besseren Vergleichbarkeit und, um den Kapitalmarktstandards zu entsprechen, ebenfalls nach den neuen Rechnungslegungsvorschriften ausgewiesen.
Sehr gute Ertragslage
Im Geschäftsbereich Leasing hat GFKL in 2004 Neugeschäft in Höhe von 450,9 Millionen Euro generiert. 393,8 Millionen Euro entfallen davon auf die Universal Leasing und 57,1 Millionen Euro auf die zum dritten Quartal erstmalig konsolidierte Transned Lease B.V. Der Ergebnisbeitrag des Leasinggeschäfts vor Steuern beläuft sich auf 10,1 Millionen Euro, ein Plus von rund 470 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,8 Millionen Euro). Nach einem eher verhaltenen Jahresbeginn ist es unserer Vertriebsmannschaft mit überdurchschnittlichem Engagement gelungen, im zweiten Halbjahr erheblich Boden gutzumachen und so das gute Ergebnis zu erwirtschaften.
Ein signifikantes Gewinnwachstum weist auch der Geschäftsbereich Financial Outsourcing auf, also unsere Aktivitäten in den Geschäftsfeldern Portfoliokauf und -verbriefung, Forderungsverwaltung, Handel mit mobilen Wirtschaftsgütern sowie Software und Services für Forderungsmanagement. In diesem Geschäftsbereich erzielte GFKL eine Ergebnissteigerung um rund 88 Prozent von 8,2 Millionen Euro auf 15,4 Millionen Euro. Dies bestätigt unsere Erwartungen an das Potential, das im Financial Outsourcing als dynamischem Zukunftsmarkt liegt.
Die rund 660 Mitarbeiter der GFKL-Gruppe erlösten in 2004 einen Konzernumsatz von 539,5 Millionen Euro bei einem Konzernergebnis nach Steuern von 14,1 Millionen Euro (ein Plus von 1450 Prozent/2003: 0,9 Millionen Euro). Die Eigenkapitalrendite belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf einen guten Wert von 18,5 Prozent.
Organisches Wachstum und Akquisition
Die erfreuliche Geschäftsentwicklung in allen Bereichen wird von zwei soliden Säulen getragen: von einem starken organischen Wachstum und von einer klar ertragsorientierten Akquisitionsstrategie.
Im Leasinggeschäft hat GFKL mit der Transned Lease B.V. aus Eindhoven die größte unabhängige LKW- und Anhänger-Leasinggesellschaft der Niederlande erworben und damit gleichzeitig erstmals eine Akquisition im europäischen Ausland getätigt. Zugleich haben wir das Team unserer qualifizierten und hoch motivierten Vertriebsmitarbeiter der Universal Leasing im zweiten Halbjahr 2004 um 15 Prozent verstärkt. Entsprechend rechnen wir nach der üblichen sechsmonatigen Einarbeitungszeit ab Mitte 2005 mit klar nachweisbaren Zuwächsen im Neugeschäft in Deutschland.
Im Rahmen der weiteren Auslandsexpansion der GFKL werden wir uns in 2005 auf den englischen Markt konzentrieren. Dabei haben wir uns dazu entschieden in England nicht eine Gesellschaft zu kaufen, sondern selbst etwas aufzubauen. In den vergangenen Monaten konnten wir ein sehr erfahrenes Team von englischen Leasingexperten für GFKL gewinnen, gemeinsam eine umfangreiche Unternehmensplanung erstellen und mit der in der letzten Woche erfolgten Gründung der Universal Leasing Ltd. (London) den notwendigen Rahmen stellen, um ab Mitte des Jahres aktiv mit Neugeschäft zu starten. Die notwendigen Gesamtinvestitionen in die englische Tochtergesellschaft werden – verglichen mit einer Akquisition – mit rund 5 Millionen Euro überschaubar bleiben, der Erfolg ist naturgemäß aber schwerer planbar als beim Kauf einer etablierten Gesellschaft. Wir erwarten wegen der exzellenten Vertriebskontakte und der langjährigen Erfahrung unserer neu gewonnenen Mitarbeiter bereits für das Jahr 2005 ein Neugeschäft in England von bis zu 23 Millionen Euro bei einer Zinsmarge von ca. 4,2 Prozent. In 2006 beabsichtigen wir Neugeschäft von über 90 Millionen Euro und damit bereits die Gewinnschwelle zu erreichen.
Eine Reihe von Portfolioerwerben mit anschließenden Verbriefungen kennzeichneten den Geschäftsverlauf in dem Bereich Financial Outsourcing. Hervorzuheben ist dabei die Übernahme eines Leasing-Refinanzierungs-Portfolios mit einem Forderungsvolumen von rund 68 Millionen Euro von einer Landesbank durch die GFKL-Tochter Proceed Securitization Services. Die starke Stellung, die sich GFKL in kürzester Zeit in diesem dynamischen Markt erarbeitet hat, wurde in 2004 eindrucksvoll durch ein Rating von Standard & Poors unterstrichen: Als erstes deutsches Unternehmen erhielt GFKL ein Servicer Rating als so genannter „Primary Servicer” und „Special Servicer” im Bereich Equipment Finance. Das Rating entspricht mit „Above Average, Outlook Stable” dem drittbesten Rating in der insgesamt 18-stufigen Bewertungsskala.
Ebenfalls positiv hervorzuheben ist der Geschäftsverlauf bei unserer Tochtergesellschaft Sirius Inkasso GmbH aus Düsseldorf. Als Dienstleistungsspezialist übernimmt Sirius Inkasso die Beitreibung ausstehender Forderungen von Konzerngesellschaften, insbesondere aus der Assekuranz. Seit ihrer Gründung bearbeitete Sirius Inkasso bereits über 300.000 Forderungen. Der hohe Integrationsgrad der eingesetzten IT-Systeme sowie die exzellente Motivation aller Mitarbeiter waren dabei die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Stärkung im Financial Outsourcing: ABIT AG
Ein wichtiges Element bei dem Aufbau der technischen Infrastruktur von Sirius Inkasso waren die Softwarelösungen unserer Beteiligung ABIT AG – ein Beispiel für die insgesamt über unseren Erwartungen liegende positive Entwicklung in der Zusammenarbeit zwischen GFKL und ABIT. Mit dem breiten Lösungsportfolio und der langjährigen Markterfahrung der ABIT als Spezialist für Forderungsmanagement erweitert GFKL seine Kompetenz im Bereich Financial Outsourcing wesentlich. Dies gilt vor allem für den gelungenen Einstieg in NPL-Transaktionen, das heißt die Übernahme und Verwertung notleidender Kredite, so genannter Non-Performing Loans. Hier profitiert GFKL von dem Marktzugang, der sich aus der führenden Marktstellung der ABIT in der deutschen Kreditwirtschaft ergibt, insbesondere im Sparkassensektor.
Mit dem Ziel, in noch breiterem Maße als bisher Synergien zu heben und Cross-Selling-Effekte zu nutzen, haben sich die Vorstände von GFKL und ABIT im November vergangenen Jahres darauf verständigt, die ABIT auf die GFKL zu verschmelzen. Die Entscheidung über die Verschmelzung wird den Aktionären beider Gesellschaften auf den jeweiligen ordentlichen Hauptversammlungen im Juni zur Beschlussfassung vorgelegt.
Börsengang als mittelfristige Option
Angesichts der bestehenden Börsennotierung von ABIT haben GFKL-Vorstand und Aufsichtsrat umfassend die Möglichkeit geprüft und diskutiert, im Zuge der Transaktion zugleich ein Börsenlisting der GFKL-Gruppe anzustreben. Wir haben uns dagegen entschieden und sehen nach wie vor einen Börsengang erst als mittelfristige Option. Zunächst wollen wir die Entwicklung unserer Geschäftsfelder nachhaltig vorantreiben. Darüber hinaus werden wir die beginnende Belebung im Primärmarkt, d.h. IPO-Geschäft, weiter sorgfältig beobachten. Im Übrigen sind wir auf einen Börsengang zur Stärkung unserer Eigenmittel nicht angewiesen. Durch die Anfang dieses Jahres durchgeführte Beteiligung der zu ABN Amro Bank gehörenden FI Equity Partners sind uns Eigenmittel in Höhe von rund 29 Millionen Euro zugeflossen.
Der mittelfristige Börsengang der GFKL steht aber weiter auf der Agenda und die Investition einer Private Equity Gesellschaft ist auch im Hinblick auf eine solche Option zu sehen.
Fortsetzung des Wachstumskurses
Unser Ausblick für das laufende Geschäftsjahr ist gut. Wir erwarten für 2005 im In- und Ausland organisches Wachstum und allein daraus eine mehr als zehnprozentige Umsatzsteigerung. Darüber hinaus ist die „Kriegskasse” von GFKL gut gefüllt um für den Fall einer interessanten Kaufmöglichkeit den erfolgreichen Akquisitionskurs fortzusetzen. Wir werden allerdings bei der Auswahl der geeigneten Gesellschaften sehr sorgfältig vorgehen und werden – wie schon in der Vergangenheit – bei begründeten Zweifeln eine mögliche Akquisition eher absagen als durchführen.
Auf Basis des guten Starts in das Jahr 2005 und den erfreulich gefüllten Auftragsbüchern in beiden Geschäftsbereichen erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr eine Gewinnsteigerung von mehr als 10 Prozent. Diese Gewinnsteigerung wäre – vor dem Hintergrund des im Ergebnis 2004 enthaltenen Einmalgewinns aus der Phinware/ABIT Transaktion von netto rund 7 Millionen Euro – ein sehr deutliche Steigerung des nachhaltigen Gewinns.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Peter Jänsch
GFKL Financial Services AG
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